War das MacBook Pro ein Fehlkauf? Es fühlt sich so an und das nur wegen einem viel zu lauten und aggressiven Lüfter. Ich nehme das Fazit mal vorweg, so richtig im Einklang bin ich mit meinem MacBook Pro noch immer nicht, aber es ist etwas erträglicher geworden.

Was ist überhaupt mein Problem? Bei kleinsten Aufgaben und am externen 4K Monitor fährt der Lüfter auf über 5000 Umdrehungen hoch. Das hat mich beim Microsoft Flugsimulator 2020 schon sehr genervt, aber wenn ich Audioaufnahmen gemacht habe, war im Hintergrund der Lüfter ständig zu hören. Selbst in der Nachbearbeitung konnte ich das nie so richtig herausfiltern.

An Streaming über YouTube Live oder Twitch war nicht zu denken, sobald ich ein Mikrofon nutzen wollte. OBS in Verbindung mit mehreren Quellen brachte den Lüfter so richtig auf Touren. Ich habe viel recherchiert und auch ausprobiert z.B. ein KLIM Airflow. Das ist ein Laptop-Kühler mit einem zusätzlichen Lüfter, der kühle Luft zu- und die warme Luft abführen soll. Das funktioniert auch in Teilen, jedoch dreht der Lüfter im Airflow in einer für mich unangenehmen Frequenz, die mich richtig nervt und nur im unteren Bereich erträglich ist. In dieser Einstellung bringt der Airflow aber keine signifikante Verbesserung. Dabei ist mir erst im Nachhinein aufgefallen, wie absurd und verzweifelt diese Aktion eigentlich ist. Ich versuche mein Problem mit einem viel zu lauten internen Lüfter mit einem zusätzlichen (und nervigen) externen Lüfter zu lösen.

Was ich aber in der Zeit auch gelernt habe, ich bin nicht alleine! Also dachte ich, da keine konkreten Lösungen verfügbar sind, ich müsste damit einfach leben. Dann hat Apple ihren neuen M1-Chip präsentiert und tatsächlich gab es auf einmal bessere Leistung ohne lästigen Lüfter. Wow, was ein tolles Gefühl, wenn man wenige Monate vorher über 4000€ für ein MacBook Pro ausgegeben hat.

Soviel zur Vorgeschichte – was ich aber mittlerweile auch sagen muss, es gibt keine Lösung die überall gleich gut funktioniert und für jede Anforderung passt. Daher gruppiere ich meine Erfahrungen in Problembereiche – ein entsprechendes Paket muss dann (leider) eigenständig geschnürt werden.

Problem 1: Der Monitor

Ich nutze einen 4K UHD Curved Monitor von Samsung (U32R592CWU). Wirklich nichts besonderes, eher im unteren Preissegment angesiedelt. Der Monitor ist über einen USB-C-Hub mit HDMI angeschlossen. Was mir aufgefallen ist, stecke ich den Monitor ein, dreht der Lüfter auch schon direkt auf, ohne dass ich überhaupt ein Programm gestartet habe. Auch die Temperatur stieg direkt um 10 bis 15 °C an. Einfach so. Verrückt.

Tatsächlich habe ich bei meinen Recherchen ein YouTube-Video gefunden, welches mir Hoffnung gab: SOLVED! MacBook Pro 16″ + External Monitor = High Temperatures and Loud Fans. Here is the FIX! Ich nehme das Fazit mal vorweg – ACHTUNG SPOILER: Verwende statt dem HDMI-Eingang den DisplayPort-Eingang vom Monitor, da dieser weniger Ressourcen benötigt. In dem Video wird auch alles sehr ausführlich besprochen warum der DisplayPort die bessere Wahl ist. Tja, leider hat mein Monitor keinen DisplayPort-Eingang. Somit ist es keine Lösung für mich. Aber vielleicht habt ihr einen Monitor mit DisplayPort und könnt die Erfahrungen dann mit mir teilen, falls ihr bis jetzt auf HDMI gesetzt habt. Also, an diesem Punkt kann ich schon mal nicht ansetzen bzw. ich müsste auf den externen Monitor verzichten.

Update von Mai 2021:

Ich habe jetzt einen Monitor mit DisplayPort und zwar den Xiaomi Mi Curved Gaming Monitor 34 Zoll (Amazon – ohne Affiliate). Ist ein guter Monitor (bis auf das fehlende HDR). ich habe mir auch ein entsprechendes Kabel dazubestellt: DisplayPort auf USB-C (Amazon – ohne Affiliate) und was soll ich sagen? Mit HDMI läufts einfach besser. Also, ganz ehrlich, das hat sich wirklich mit DisplayPort noch mal deutlich verschlechtert. Habe das auch mehrmals probiert – auch mit Ruhephasen, min. 50°C und knapp 3000-4000 Umdrehungen. Über HDMI beim Xiaomi kaum 40°C bei ca. 1800 Umdrehungen. Für mich ist also der Tipp mit dem DisplayPort am externen Monitor ein Fehlschlag. Der Monitor darf aber trotzdem erstmal bleiben, ist auch tatsächlich etwas besser als mit dem 4K UHD Curved Monitor von Samsung. Nachvollziehbar ist die ganze Sache aber noch nicht. 

Problem 2: Im Internet surfen

Wenn ich mit Chrome einige (wirklich nicht viele) Tabs offen habe, ist der Lüfter im Angriffsmodus, jederzeit bereit in die Höhe zu schnellen. Lüfter dreht zwischen 3000 und 4000 Umdrehungen. Wenn ich mir ein Video anschaue. Wie nervig ist das denn bitte? Dieser Effekt wird verstärkt, wenn ich meinen externen Monitor nutze.

Bei meinen Recherchen bin ich wieder auf ein YouTube-Video gestoßen und konnte es fast nicht glauben: How to get your MacBook to run Cooler and Quieter! In diesem Video werden noch andere Möglichkeiten aufgezeigt, auf einen Punkt komme ich gleich noch zu sprechen. Aber hier wird u.a. gesagt, benutze keinen Chrome! Ich wollte es nicht glauben und ich habe für einen ersten Test Safari einige Stunden verwendet und siehe da: der Lüfter dreht nur noch bis max. 2000 Umdrehungen bei weitaus mehr geöffneten Seiten. Die Erklärung: Safari wäre entsprechend optimiert, Google Chrome eben nicht. Wir ignorieren mal den Umstand, dass mein Laptop mit einem Intel i9 und 64GB Arbeitsspeicher ausgestattet ist und es verdammt noch mal egal sein sollte, welchen Browser ich nutze um im Internet ohne Lüfterlärm zu surfen. Herrschaftszeiten.

Zusätzlich wird in dem verlinkten Video auch vom Turbo Boost Switcher gesprochen und das ist auch ein Tool, welches ich mittlerweile nutze. Der Turbo Boost von Intel ist eine super Sache, wird aber auch für einfachste Aktivitäten gerne vom System automatisch aktiviert und lässt die CPU-Temperatur sowie den Lüfter ansteigen. Wenn ich weiß, dass ich keine intensiven Aktivitäten habe, stelle ich den Turbo Boost auch immer ab. Das mache ich manuell, auch wenn ich die Pro-Version erworben habe. Aber die automatische Umstellung anhand der Programme funktionierte bei mir – wie auch im Video angemerkt – nicht immer. Gerade Programme wie Photoshop und Lightroom von Adobe konnte ich das (Fehlverhalten) reproduzieren. Für die manuelle Umschaltung braucht ihr also nicht zwingend eine Pro-Version. Es lohnt sich, das Tool in der freien Version auszuprobieren – vielleicht hilft es euch bei einfachen Aufgaben.

Problem 3: Stromversorgung an der falschen Seite angeschlossen

Ja, es gibt tatsächlich eine falsche Seite. Laut Apple soll es egal sein, an welcher Seite du die Stromversorgung anschließt. Grundsätzlich stimmt das auch – es wird an beiden Seite gleich geladen. Allerdings ist auf der linken Seite eine größere Hitzeentwicklung und lässt damit den Lüfter auch entsprechend hochdrehen. Daher der Tipp, steckt die Stromversorgung immer auf der rechten Seiten ein. Jetzt bin ich aber ehrlich, so richtig überprüft habe ich es nicht – ich mach es aber dennoch seitdem ich folgenden Beitrag kenne: Got A MacBook Pro Recently? Important Information About Powering It In The Studio.

Problem 4: OBS vs. Lüfter (Endgegner)

Zum Testen habe ich einige Streams über Facebook Live durchgeführt. Einfach im Stream ein paar Platten oder MP3 aufgelegt. OBS, Traktor und mein Smartphone als Webcam über OBS Camera liefen gleichzeitig und die Stromversorgung war auch noch auf der falschen Seite (siehe oben). Da war der Lüfter wirklich am Anschlag – aber meine Musik war lauter (oder ich hatte die ganze Zeit die Kopfhörer an). War kein Problem. Allerdings waren diese Streams immer ohne Mikrofon.

Jetzt kam mir die Idee auf mit Ableton Live 11 zu streamen, wie ich z.B. an einem neuen Track arbeite, was es für neue Funktionen in Version 11 gibt oder was ich für Plugins nutze. Jetzt war der Lüfter doch ein (größeres) Problem, weil man hörte den dämlichen Lüfter ständig im Hintergrund. Selbst wenn ich nur mit Ableton Live gearbeitet habe und den Egg-Shaker aufnehmen wollte, der Lüfter war immer zu hören und versaute mir die ganze Aufnahme. Dabei war die CPU Auslastung durch Ableton Live selbst noch recht moderat.

Verzweiflung machte sich breit. Also habe ich mich vom Streaming verabschiedet. Es stimmt natürlich, dass OBS recht viele Ressourcen benötigt. Ich wollte aber auch für die Videos für YouTube nicht alles einzeln aufnehmen. Ich bräuchte eine Bildschirmaufnahme, eine Webcam die Ableton Push als Midi-Controller zeigt und der Ton müsste auch noch separat aufgenommen werden. Später in der Nachbearbeitung dann alles mit einem schönen animierten Hintergrund zusammenpacken. Wofür habe ich noch mal so viel Geld für einen Laptop ausgegeben? Aber selbst bei einer Bildschirmaufnahme von Ableton Live inkl. Ton und Mikrofon war der Lüfter zu hören. Richtig ärgerlich. Also habe ich weiterrecherchiert und bin auf ein Tool gestoßen: TG Pro.

Nachdem ich mir das Tutorial von TG Pro angeschaut habe, habe ich mir direkt im Sale für 10€ die Pro-Version gekauft. Mit diesem Tool kann man (s)eine eigene Lüfterkurve konfigurieren. Ich gebe zu, ich fand das zuerst sehr befremdlich in der Lüfterkurve von Apple rumzufummeln, aber ich sag mal so, die Lüfterkurve von Apple ist auch einfach mal großer Mist! Apple ist nämlich sehr (sehr) vorsichtig und dreht den Lüfter sofort hoch, sobald die CPU mal etwas beansprucht wird. Die CPU kann aber doch einiges an Temperatur wegstecken.

!!! WICHTIG !!!
MIT FALSCHEN EINSTELLUNGEN KÖNNT IHR EURER MACBOOK ZERSTÖREN!! ICH ÜBERNEHME KEINE HAFTUNG!!!

Beschrieben ist der Punkt für die eigene Lüfterkurve im verlinkten Tutorial unter: Using multiple rules.

So sehen die Einstellungen bei mir aus:

Einstellungen für den Lüfter in TG Pro

Rettet das jetzt meine Absichten doch mit Ableton Live zu streamen oder über OBS die Videos aufzuzeichnen? Nicht ganz, aber es wird etwas erträglicher. So richtig gut ist es noch nicht, vielleicht bekomme ich noch einige Hinweise und Erfahrungen gesammelt um die Einstellungen zu optimieren. Aber wie auf dem nächsten Bild zu sehen, ist es theoretisch möglich, damit zu streamen oder Videos aufzuzeichnen. Der Lüfter ist natürlich präsent, dreht aber „nur“ mit 4000 Umdrehungen:

OBS, Ableton Live, Serum, Replika XT und EQ

Fazit

Wie am Anfang schon beschrieben, so richtig gut ist es nicht. Die Tools Turbo Boost Switcher und TG Pro bringen etwas Erleichterung – wenn richtig eingesetzt. Aber es ärgert mich, dass es mal wieder Tools braucht um vernünftig arbeiten zu können. Wer sich überlegt, ein neues Macbook Pro zu kaufen, der sollte wirklich auf die neuen M1 Modelle und auf die ersten Testberichte warten. Zum Schluß aber noch zwei Tipps, die für alle Laptops gültig sind:

  • Solltet ihr Schutzhüllen z.B. Hardcover aus Plastik um euren Laptop haben, wenn möglich diese entfernen. Die Hüllen können die Luftzirkulation beeinträchtigen.
  • Solltet ihr auch gerne auf dem Sofa mit dem Laptop sitzen, dann schafft euch ein Laptopkissen an z.B. das HUANUO Laptopkissen. Warum? Damit alle Lüftungsschlitze frei bleiben und nicht von Decken, Kissen oder Haustiere verdeckt werden.

Ob das eure Not lindert, kann ich natürlich nicht sagen, aber ich freue mich auf eure Kommentare.